Semantik

Es zieht, so sagt der Herr Geheimrat,
hinan das ewig Weibliche
und Nietzsche nimmt die Peitsche mit
das ist das Unverzeihliche.
Wenn Thomas Mann die Frau erwähnt,
ist es die unerfüllte Liebe,
von Hesse kaum noch wahrgenommen
sieht Miller nur die Triebe,
gibt Hemingway den Fraun mehr Inhalt
vielleicht zu sehr erzählerisch,
macht sie Bukowski noch profaner
und ist gar nicht mehr wählerisch
Der Schnitzler läßt sie aufmarschier´n
als nett kokette Dinger
und schließlich, endlich Simmel sieht
oft nur den Ring am Finger
Die Frau der Träume, literarisch,
ist ein Produkt der Phantasie,
nach ihr sind alle Männer narrisch,
als wär nur Sie, nur Sie, nur Sie ...
Ein Duft-, Geschlechts-, Fermentmotor
der vorwärts ins Disaster treibt
versetzt in einen Höhenflug
wo man dann auf der Strecke bleibt :
Die Muse, meistens sehr gestresst,
hat kaum noch Zeit zu küssen
wenn sie dich mit ihr leben läßt,
wirst du bestehen müssen
in ihrem Alltagslebensraum,
und weg ist die Romantik,
Literatur, und Liebestraum
verebben in - Semantik.