Festigkeit der Seele

Die Seele sei was Nebelhaftes,
man kann Sie nicht erfassen,
materielos, doch fest verbunden,
mit uns´ren Körpermassen,
befindet sie sich irgendwo,
wo wirklich, weiß man leider nicht,
die einen sagen : im Gehirn
die andern seh´n sie im Gesicht,
diverse Drüsen tief im Bauch,
haben schon hergehalten,
die kleine Zirbeldrüse auch,
fast alles in den Menscheng´stalten,
die da von einem Gotteshauch
erfüllt zu seien glauben.

Es bringt das nur der Mensch zustande,
sich sowas zu erlauben :
Er hält sich für ein Gotteskind,
bevorzugt und erwählet,
zu herrschen über Erd und Tier,
die "mächtig" er nun quälet.

Oh Hybris dieser Menschenrasse,
die glaubt, sie sei die Krönung,
daß Gott sich nur mit ihr befasse,
der Sünde folgt Versöhnung.

Oh Hybris dieser kleinen Würmer,
die pausenlos krakelen.
So sagt mir doch,wo sind sie denn,
die Schatten eurer Seelen ?
Ich sage euch, ihr sucht umsonst,
denn meistens habt ihr keine.
In Wirklichkeit seid ihr nur Schale,
seid hart wie tote Steine.

Die Seele kann verloren geh´n,
wenn sie nicht festen Halt hat,
und grad in uns´rer satten Zeit
da findet das sehr bald statt,
daß durch Genußsucht mancher Mensch
in jungen Jahren seelenlos
als Konsument sein Dasein fristet,
denn nur das eine kennt er bloß:
Bedürfnisse befriedigen,
dazu das liebe Geld verdienen,
er läßt sich treiben von der Masse,
steht wie ein Zug auf Schienen,
und innen nebulos und leer
verliert er seine Festigkeit,
er sieht vom Schönen gar nichts mehr,
bei Fragen nur die Lästigkeit.

Die Seele wächst im Menschen erst,
wenn sie auf guten Boden stößt,
der fest ist und sie wirklich hält,
und sie nicht wieder fahren läßt.

Doch gibt´s auch wahrhaft gute Menschen,
die ihre Seele pflegen.
Sie lassen sich nicht gerne lenken,
woll´n sich von selbst bewegen.

Sie bauen eine Burg in sich,
sind eigenständig und bedacht,
der Seele einen Halt zu geben,
wie einer kostbar schönen Fracht.

Sie sollten unser Vorbild sein,
nach ihnen woll´n wir streben,
und dann, im Einklang mit der Welt,
und uns´rer Seele leben !