Holographisches

Wenn man einen Menschen so richtig dumm aussehen lassen will, muss man ihn mit versteckter Kamera aufnehmen, während er vor einem Hologramm steht und sich unbeobachtet fühlt.
Mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen wiegt der Mensch den Oberkörper zuerst nach links, dann ganz langsam nach rechts. Dann ganz schnell wieder nach links, um das Bild zu überlisten. Schließlich versucht er, mit der Hand etwas zu greifen, was nicht wirklich da ist, er kann es ganz einfach nicht fassen, in jeder Beziehung, weder mit der Hand noch mit seinem beschränkten Geist, der darauf trainiert ist, den Botschaften der Rezeptoren in seinen Augen zu vertrauen. Die Täuschung ist perfekt. Mit einem ehrfürchtigen "Wow, geil ..." bestätigt der Mensch, dass er wieder einmal seine Grenzen erreicht hat und damit er bei anderen angeben kann und seine Freunde auch mal richtig dumm aussehen lassen kann, kauft er das Hologramm.
Ein gutes Geschäft, aber die Hologramme, die man im 21ten Jahrhundert in den Souvenir- und Geschenkläden erhält, sind qualitativ immer noch ziemlich mies, meist nur grünlich, wenn in Farbe, dann in sehr blassen und inkonsistenten Tönen, die Motive sind die gleichen, wie man sie von T-Shirts oder Tätowierungen kennt und der Reiz des Neuen ist bald verflogen.
Das einzig wirklich geile Hologramm ist das Universum. Kein Witz, da gibt es: Wissenschaftler, die vertreten die These, das Universum sei holographisch aufgebaut.
Und einiges spricht dafür.
Tatsächlich macht sich der Mensch, wenn man den Realitätsforschern, Neuro- und Psychologen Glauben schenken darf, ein BILD, oder viele Bilder, die er dann lebt, respektive in denen er lebt - die freie Gestaltung der Erlebniswelt einerseits, ein Gefängnis der Prägungen, Engramme, karmischen und genetischen Voraussetzungen andererseits.
Diese Vorstellung von sich selbst und von dem Leben, das man führt, kann man ändern, indem man das Bild ändert, was zur Folge hat, dass sich das Leben ebenfalls ändert.
Techniken wie positives Denken, Autogenes Training, Mind Control, Visualisieren oder luzides Träumen werden in der Fachliteratur und in Seminaren angeboten, und selbst eine kurze, oberflächliche Beschäftigung mit diesen Möglichkeiten hilft, den eingerosteten Mechanismus der Selbstheilung und –werdung ein wenig zu ölen.
Um sich zu einem hervorragenden Menschen zu entwickeln, braucht man jedoch Zeit, Ausdauer und Energie - willst Du Deinen Körper formen, bewege Dich. Wenn Arnold Schwarzenegger das geschafft hat, wirst Du das doch auch können, oder ?
Willst Du Deinen Geist weiterentwickeln, übe Dich im Denken, trainiere Deinen Geist.
Das hat Arnold ja auch getan, und gerade seine herbe Selbstkritik "ich bin ein Kind ein deppertes, in meinem Hirn da scheppert es." sollte jeden dazu animieren, dem Vorbild der steirischen Eiche zu folgen, außer vielleicht in seiner Verwendung der englischen Sprache.
Das Schwierigste ist, absolut nichts zu denken - nichts, ganz einfach nichts.
Einige Bruchteile von Sekunden mag es auch dem Anfänger gelingen, an gar nichts zu denken, doch dann ... Fetzen der Erinnerung, womöglich an eine Situation der letzten Nacht in dieser Bar, die Steuererklärung, das verbissene Gesicht des Steuerberaters, andere verbissene oder auch nette Gesichter, so wie das der Politesse, als Sie das Strafmandat ausfüllte, ach ja, das muss ich noch einzahlen, das Konto ist ohnehin so überzogen, etc.
Man zwingt sich wieder, an nichts zu denken und vergisst dabei, den Wasserhahn in der Küche zuzudrehen.
Wenn man das einmal beherrscht, das mit dem Nichtsdenken, und die Küche unter Wasser steht, beginnt man damit, einen Gedanken festzuhalten, einige Minuten: nur einen einzigen Gedanken festhalten.
Wenn einem das gelingt (und nach 2 - 13 Jahren gelingt es jedem, der 2 – 13 Stunden täglich trainiert), wenn das also hinhaut, geht man zur nächsten Übung über: man denkt sich eine Farbe.
Zum Beispiel Pink. Alles ist Pink, der Tisch, der Sessel auf dem man sitzt, der Fernseher, der Zimmerfarn und die Zimmerantenne, kurz, das ganze Zimmer. Dann weitet man aus: die Straße ist Pink, die Raiffeisen-Bank gegenüber (der Direktor wird sich freuen, wenn er draufkommt, dass er heute in Pink gekleidet ist), die Straßenbahn, die Kontrolleure - spätestens jetzt wird es lächerlich und man bricht die Übung ab. Also gilt es, wenn man weiterkommen will, dann bitte nicht an Kontrolleure zu denken, oder zumindest nur dann, wenn man mit der Farbe schwarz übt.
Hat man eine gewisse Routine entwickelt im Farbendenken und alle Spektralfarben durchdacht, kann man sich der nächsten Übung zuwenden: Gegenstände zu Visualisieren.
Entspannt und locker, mit geschlossenen Augen, stellt man sich einen Gegenstand vor, lässt ihn vor dem geistigen Auge entstehen, dreht ihn rundherum, modelliert jedes Detail heraus, im Hintergrund eine Farbe, die man schon gut kann.
Sexisten dürfen sich, um die Sache abzukürzen, sozusagen als Lernhilfe, Pamela Anderson oder Sophia Loren, George Clooney oder Richard Burton (je nach Geschmack und Veranlagung) vorstellen, plastisch, in 3D, mit all den Wölbungen und Tiefen, die der superflache Sony Trinitron Bildschirm üblicherweise nicht so richtig zur Geltung bringt, wenn man nicht bereits über eine 3D Brille verfügt.
Wer schon mal in Disneyland war, hat mit dieser Übung überhaupt keine Schwierigkeiten, er/sie setze sich geistig einfach noch einmal in die 2te Reihe der Michael Jackson 3D-Space Opera.
Franz Bardon wird mir verzeihen bzw. dankbar sein, wenn ich die nächsten Stufen zum wahren Adepten hier nicht mehr erwähne, jeder kann sich heute, wenn er will, bei Amazon das Buch "Der Weg zum wahren Adepten" bestellen. Nicht jeder kann sich jedoch, selbst wenn er wollte, die Freiheit nehmen, das ganze wirklich zu lernen.
Dann bleibt immer noch Geistesschulung mit Himbeergeist.
Die Kraft des Gedankens ist mächtiger als die Kraft des Wortes, denn hinter jedem Wort steckt ein Gedanke. Außer bei Politikern und Burgtheaterdirektoren, die meist ohne eigene Gedanken auskommen.
Jetzt sind wir dort, jetzt haben wir den Ursprung :
Ausgangsbasis für alles, was man erlebt , ist, was man denkt.
Und natürlich gilt auch hier, wie bei der Sprache: wenn man ungepflegt denkt, wird man des Öfteren ungepflegte Situationen erleben. Jeder kennt mittlerweile das Postulat der "Kraft des positiven Denkens", glühende Verfechter dieser Kunst predigen den "geistigen Hausputz" und wenn gerade diesen positiv denkenden Leuten etwas Ungutes widerfährt, lächelt der negativ denkende Rest hämisch und sagt sich insgeheim: "Wir haben ja gewusst, das funktioniert nicht."
Stimmt.
Es funktioniert nicht. Nicht so, wie es sich die meisten Leute vorstellen. Positiv denken beschränkt sich nicht nur darauf, sich hinzusetzen und zu sagen: "es wird klappen, lass es klappen, es wird schon gut gehen, alles wird bestens, ich bin gut drauf, mein Chef mag mich, mein Partner betrügt mich nicht, ich bin der/die Beste, bin erfolgreich, schön, schlank, gescheit, etc.".
Positives Denken hieß früher Idealismus.
Um ein Idealist zu sein benötigt man Beharrlichkeit, einen unerschütterlichen Glauben an seine Vorstellung und an sich selbst sowie ein gerüttelt Maß an Naivität.
>Der Glaube versetzt Berge< heißt es und wenn man das glaubt, hat man genügend Naivität, um den Spruch zu bewahrheiten.
Naiv zu sein bedeutet nur, man ist von dieser Welt und ihren teils grässlichen Bewohnern noch nicht desillusioniert worden, naiv bedeutet : natürlich, unbefangen, kindlich treuherzig, arglos aber auch einfältig (anscheinend hat das negative Denken nur die Interpretation "einfältig" übriggelassen, im abschätzigen Sinne > eine junge Bildung neuester Zeit< wie es so trefflich im Herkunftswörterbuch formuliert wird).
Idealisten haben ein Sinnbild der Vollkommenheit, ein Ideal.
Das Wort >Idea< ist Ursprung des Ideals, der Idee und bedeutet „Wunschbild, Vorausschau auf etwas, was noch nicht da ist“, Ideen sind daher nichts anderes, als Gestaltungselemente für die zukünftige Welt. Womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären, dem perversen Hologramm, das wir Umwelt, Erlebnisraum oder Universum nennen.
Für den Erdenbürger unserer "Endzeit" (das Wort >Ende< sei hier sowohl im Hinblick auf die mehrmals bereits vorausgesagten Weltuntergänge zu verstehen, als auch in Anbetracht der krassen Situation , was unsere physisch und psychisch erlebte und gestaltete Umwelt betrifft), ist Holismus noch viel zu wenig ein Begriff, der Substanz und Bedeutung hat.
Es arbeiten zwar einige beherzte Idealisten daran, die Zusammenhänge zu begreifen und ihre Erkenntnisse aufzuzeigen, die Masse jedoch steuert in eine virtuelle Scheinwelt hinein: Die globale Vernetzung bringt eine Menge Vorteile, Fernsehen ist am besten Wege, kommunikativ und daher aktiv zu werden, der Mensch kann von nahezu jedem Ort der Welt am Weltgeschehen teilhaben und sich auch mittlerweile über das Internet bemerkbar machen. Es sieht so aus, als ob der Mensch sich in Zukunft seines Körpers entledigen und seinen Geist in irgendeine virtuelle Welt einspeisen wird, um sich dort präsentieren zu können, zu erleben und zu verwirklichen (Der Film "Der Rasenmähermann" sei jenem Leser empfohlen, der mit den Worten "virtuell" und "einspeisen" eher kulinarische als geistige Genüsse assoziiert).
Wer braucht dann noch die Natur, den spiegelglatten See, auf dem ein paar Schwäne gleiten, den Sound der Didgeridoos und Bongos, das Prasseln des Lagerfeuers "life", wenn alles digitalisiert und abrufbar ist ? Verlockender Gedanke für eine morbide, degenerierte Rasse oder Ideal-Szenario für die Erschaffer einer sogenannt "gesunden" Welt ?
Der Widerspruch ist in sich und zwingend erforderlich, um der Entwicklung den nötigen Antrieb zu geben.
Die Menschen werden es schon schaffen, sagt der Optimist.
Wir sind "Tiere" oder "Maschinen", sagen die, die es wissen müssen.
Wenn wir davon ausgehen, dass >der Mensch< nicht ein dumpfes dickes Stück Fleisch im ärmellosen, verschwitzten Unterhemd ist, das aus irgendeinem Fenster im 3ten Stock das geschäftige Treiben auf der Straße betrachtet und sagt : "die Straß´n g´hört mir !" (ein Wortbild von Bronner/Qualtinger), dann fragen wir uns: wie sieht er aus, der Mensch ?
Im holographischen Universum darf/muss jeder so aussehen wie er will.
Der Mensch ist schön, gewaltig in seiner Kraft und Eleganz.
Ein menschliches Wesen kann alles verkörpern und ausdrücken, was die Welt bereitgestellt hat, was sie ist, der Mensch widerspiegelt in seiner Einsamkeit als Scherbe eines Hologramms die Einheit.
Das soll nicht nur bedeuten, die Welt läge bereits in Scherben, sondern auf die Wichtigkeit hindeuten, dass sich das Bild wieder formiere:
Besonders talentierte und gut ausgebildete Menschen konnten uns über die Jahrtausende immer wieder Bruchstücke zur Wahrheit liefern, Erfinder, Musiker, Schriftsteller, ...
Wer nicht glaubt, dass er etwas kann, kann es nicht.
Wer glaubt, dass er etwas kann, muss allerdings lange üben, bis er es dann wirklich kann.
Der Eindruck, den man bei anderen hinterlässt, wird kommuniziert, jedoch einigermaßen gefiltert, er ist also keine klare Aussage darüber, wie man wirklich wirkt, also den anderen gegenüber erscheint.
Wenn man sich selbst im Spiegel betrachtet, erblickt man nur die Frontansicht.
Geschickt aufgestellte Spiegelkombinationen oder auch Videoaufnahmen (vor allem versteckt gemachte, vornehmlich während der Betrachtung eines Hologramms) lassen die Unzulänglichkeiten oder besser jene Dinge zu Tage treten, die einem selbst noch nicht an sich aufgefallen sind. Alle anderen sehen das und leben damit, man selbst jedoch ist überrascht über die seltsamen Perspektiven, die sich bei Betrachtung des eigenen Körpers aus ungewohnten Blickwinkeln ergeben.
Man spiegle die visuelle Erkenntnis auf die geistige Erlebniswelt und erhält wieder eine Erkenntnis : Der Spiegel ist flach. Was ich sehe von mir selbst, ist nur eine von sehr vielen Möglichkeiten, mich zu betrachten.
Die Tiefe ergibt sich mit der Bewegung und der Reflektion über sich selbst.
Dumpfe Menschen bewegen sich nicht und denken nicht über sich selbst nach.
Für Leute, die sich bewegen, scheint zum Großteil das Denken viel zu mühsam zu sein, für wirklich stoische Denker wiederum erscheint die Lektüre von "Fit for Fun" und Rollerbladefahren als reine Zeitverschwendung.
Das hat auch Rodin erkannt und spätestens seit seine Statue "Der Denker" allgemeine Bekanntheit erlangt hat, ist es gesellschaftsfähig geworden, zuzugeben, dass man am in sitzender Pose, den Kopf auf die Hand gestützt, die besten Ideen hat, egal an welchem "Ort".
Insgesamt kann festgestellt werden, dass das ausgewogene Verhältnis von Bewegung, Anstrengung, Konzentration und andererseits der Muße, Kontemplation und Meditation für sich selbst zu finden, zu pflegen und zu halten, das wirkliche Geheimrezept für ein schönes und erfülltes Leben zu sein scheint. Was man als "ausgewogen" erachtet, bleibt wiederum jedem selbst überlassen.